unser Dorf

Einwohner

Wolfgang Gérard

Zaunhof ca.1965

Fränkische Gräber im Rondorfer Feld und in Richtung Meschenich deuten auf eine frühe Besiedelung hin. Die ältesten Funde stammen von einer Feuerstelle aus der Eisenzeit. Außerdem gab es 1969 nicht nur an der Berzdorfer Straße zahlreiche römische Fundstellen, die auf eine Besiedlung schließen lassen. Durch den Kiesabbau sind weitere Funde bisher ausgeblieben, obwohl Bauherrn in der Umgebung der Fundstellen zur Beobachtung und Meldung von Funden angehalten werden. Weiterhin fanden 1967 Bauarbeiter unter der Kirche einen römischen Ziegel.
Der spektakulärste Fund waren wohl die beiden römischen Grabkammern, die in der Kiesgrube Wery, früher zwischen Kiesgrubenweg und IKEA, freigelegt wurden, als im April 1957 plötzlich der Sandhang abrutschte. In ihnen standen zwei gut erhaltene und bis dato ungeöffnete Steinsärge, die heute in Giesdorf stehen. In den Särgen lagen neben den Gebeinen der Bestatteten auch interessante Grabbeigaben. Diese Grabbeigaben befinden sich im "Rheinischen Landesmuseum" in Bonn. Die Archäologen vermuteten im Bereich der Kiesgrube eine Siedlung, deren Reste aber wahrscheinlich durch den Kiesabbau zerstört worden sind. In der Kiesgrube hinter der Berzdorfer Straße fanden Arbeiter 1956 einen ca. 80 cm langen mitteldicken Stoßzahn eines Mammuts sowie 2 riesige Backenzähne mit je 5 Pfund Gewicht. Soweit zur Vorzeit bzw. zu frühzeitlichen Funden.
Im ostfränkischen Reich (etwa ab 400 n. Chr.), zu dem auch Immendorf gehörte, lebten schätzungsweise drei Millionen Einwohner. Erst Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung stark zu, da viele Zuwanderer aus den niederländisch/flämischen Gebieten in den "deutschen" Raum kamen. Dies führte zu vielen Rodungen, um Land für die Agrarwirtschaft zu gewinnen. Köln war mit ca. 40.000 Einwohnern (14. Jahrhundert) während des gesamten Mittelalters die größte deutsche Stadt. Häufige Seuchen verminderten die Zahl der Einwohner wieder stark. So raffte im Jahre 1450 die Pest allein in Köln 30.000 Menschen dahin. Das waren 75% der Einwohner! Alle frühen Angaben beruhen meist nur auf Schätzungen, denn erst seit Ende des 18. Jahrhunderts gibt es verläßliche Zahlen. Dies trifft auch für unseren Ort zu.
Die bisher ältesten Zahlen über die Größe unseres Ortes finden sich in der Kurkölnischen Landesscription von 1669. Danach bestand der Ort aus 5 Bauernhäusern, 5 3/4 Morgen Gartenland und 37 Morgen Acker. Die restlichen Flächen gehörten zu den großen Gutshöfen. Die Anzahl der Bewohner war leider nicht angegeben, sie dürfte aber bei der geringen Anzahl an Häusern äußerst niedrig gewesen sein. Sicher war aber, daß es in Immendorf früher ausschließlich katholische Bewohner gab. Erst die Schulchronik von 1909 weist erstmals und ausdrücklich auf evangelische Schüler hin. Im Jahre 1861 verlangte die preußische Regierung von ihren Landräten eine ausführliche Darstellung ihrer Kreise. Dadurch sind uns einige interessante Berichte erhalten geblieben.
Der Landkreis hatte bis 1883 noch seinen ursprünglichen Umfang, wie er nach dem Abzug der Franzosen und vor der Errichtung der preußischen Herrschaft 1816 gebildet worden war. Seine Grenze zur Stadt war in unserer Region - wie schon die alten Pfarrgrenzen - der Bischofsweg. Bayenthal und Marienburg gehörten damals noch zum Landkreis. In der Enge der Stadt Köln ging die Einwohnerentwicklung im Gegensatz zu der meist vom Ackerbau lebenden Bevölkerung des Landkreises schnell voran. Sie war im Kreisgebiet in einigen Orten sogar etwas rückläufig, weil ein starker Zustrom in die Stadt mit ihren Vororten eingesetzt hatte. Viele erhofften sich dort ein besseres Leben und Arbeit in der beginnenden Industrialisierung. Aber auch im Umland begannen Industriebetriebe zu entstehen, z.B. der Braunkohletagebau. 1877 begann die Brikettfabrikation auf der Roddergrube in Brühl. Dadurch setzte teilweise wieder eine rückläufige Wanderung ein.
Der Rückgang der Torfgruben bis zur Bedeutungslosigkeit und der Steinzeugherstellung betraf Immendorf, das ausschließlich von der Landwirtschaft lebte, nicht. Erst mit dem Bau der "Köln-Bonner-Eisenbahn" (1898) und der Verbesserung der Verkehrswege wurde es interessant, in Köln zu arbeiten. 1861 arbeiteten allerdings schon 52% der 63.600 Einwohner des Landkreises nicht mehr in der Landwirtschaft (1939 waren es sogar 91%). Hauptsächlich die Bewohner der direkt an Köln grenzenden Orte waren es, die aus der Landwirtschaft "flohen".
Aber auch in der Landwirtschaft begann eine neue Ära mit dem Rübenanbau zur Zuckergewinnung, obwohl zu dieser Zeit die Produzenten von Zukker den Rübenanbau noch selbst betrieben. Elf größere Güter hatte ein großes Handelshaus zum Rübenanbau gepachtet. Die Familie Pfeifer bewirtschaftete für ihre Rübenzuckerfabrik gerade einmal 1.000 Morgen. Die Verbreitung des Anbaues und das Entstehen weiterer Fabriken auch in Regie der Bauern revolutionierten den Landbau. Pachten stiegen und die Löhne kletterten. Gemüseanbau war noch nicht so stark vertreten, weil er früher direkt in der Stadt betrieben wurde und nach seiner "Vertreibung" durch die fortschreitende Wohnbebauung in den unmittelbaren Raum um die Stadt auswich. Die Anfahrtswege mit Pferdewagen und Kiepe waren sonst zu weit. Erst nach 1860 (nachdem die Rheinische Eisenbahngesellschaft westlich um Köln beim Bau der Eisenbahn viel Land beansprucht hatte) dehnte sich der Gemüseanbau bei uns weiter aus. Aus Immendorf sind sicher auch damals schon einige Bauern auf den Markt gefahren. Dazu waren sie fast den ganzen Tag unterwegs.
Der Obstanbau spielte in unserem Ort keine große Rolle. Wein gab es schon lange nicht mehr, denn nachdem das ganze Zollwesen der einzelnen kleinen Staaten mit der französischen Besatzung zusammengebrochen war, lohnte sich der Weinanbau schlechterer Qualität hier nicht mehr. 1828 betrug der Ertrag im Kreisgebiet noch 134 Eimer, während in Köln selbst zur gleichen Zeit noch 1348 Eimer erzeugt wurden.
Schweine und Geflügel wurden hauptsächlich für den häuslichen Bedarf gehalten. Durch die Nähe zur Stadt wurde aber die Milchwirtschaft interessanter, den die Milchprodukte ließen sich in der Stadt gut vermarkten. Kühltruhen etc. gab es noch nicht, deshalb mußten die Produkte so schnell wie möglich möglich an den Kunden gebracht werden, damals nicht nur ein Zeit- sondern besonders ein Transportproblem. An Pferden gab es im Landkreis fast ausschließlich schwere belgische Rassen für die Feldarbeit. Die preußische Armee hatte in unserer Region große Probleme mit der Erhebung von Militärpferden. Reitpferde waren Luxus, den sich nur wenige Leute leisten konnten. Bei den Rübenbauern setzte sich später immer mehr der Ochse als Zugtier durch.
Der durchschnittliche Jahresgeldbedarf wurde damals mit 245 Thalern (1861 hatte ein Thaler einen Kaufkraftwert von ca. 9 Euro heute) in der Stadt und 210 Thalern auf dem Land für eine fünfköpfige Arbeiterfamilie ermittelt. Dem stand bei Tagelöhnern ein Verdienst von täglich 15 bis 18 Silbergroschen in der Stadt gegenüber, auf dem Land waren es 12 bis 16. In der Stadt Köln wurden im Durchschnitt sogar 20 Silbergroschen gezahlt. Fabrikarbeiter erhielten gar 25 täglich. Ein gelernter Bauarbeiter konnte zwischen 20 Groschen und einem Thaler verdienen, ungelernte 18 bis 20 Groschen. Trotz des für heutige Begriffe geringen Geldbedarfes, reichte der Verdienst des Mannes in der Regel nicht aus, um die Familie zu ernähren. Die Ehefrau und möglichst früh auch die Kinder mußten helfen, das Existenzminimum heranzuschaffen. Auf dem Lande gab es einen Tagesverdienst von unter einem Thaler (etwa 6 bis 9 Groschen). Hier hatte der Arbeiter aber meist ein kleines Stück Land vom Gutsbesitzer zur Bewirtschaftung erhalten. Wohlhabend war schon, wer ein kleines Stück Land zum Eigentum hatte. Hierauf wurden dann Gemüse, Kartoffeln oder etwas Viehfutter angebaut. Auch Kleinvieh oder ein Schwein konnten gehalten werden.
Verläßliche Einwohnerzahlen über Immendorf gibt es erst ab 1794. Sehr detailliert waren die späteren Angaben der Lehrer, die in höherem Auftrag im Ort die "Volkszählung" vornahmen. Leider haben nicht alle Lehrer die ermittelten Zahlen in die Schulchronik eingetragen.
So lassen sich aus verschiedenen Quellen folgende Zahlen ermitteln:

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1798 94 1939 439
1815 94 1948 500
1828 114 1949 616
1831 142 1950 571
1867 254 1955 608
1880 331 1961 908
1885 305 1970 1645
1887 329 --- ---
1895 342 1977 1997
1900 283 1984 1831
1919 419 1988 1731
1929 482 1991 1913
1936 426 1995 1836
--- --- 1997 2008

Erst seit 1897/1898, also mehr als 100 Jahre nach den ersten Einwohnerzahlen, gibt es dank der Schulchronik detailliertere Angaben. So lebten laut Schulchronik in Immendorf einschließlich Giesdorf 42 Viehbesitzer. Sie hatten: 42 Pferde, 179 Rindviecher, 44 Schweine, 26 Ziegen und 667 Hühner.
Noch ausführlichere Eintragungen im Jahre 1900 wiesen 283 Einwohner aus, davon 134 männlich und 149 weiblich. Bei 17 von 47 Ehepaaren war die Ehefrau älter als der Mann. Die weiterhin erwähnten 26 verwitweten Personen setzten sich aus 8 Witwern und 18 Witwen zusammen. Der Ort bestand damals aus 57 bewohnten und zwei unbewohnten Wohnhäusern. In zwei der 63 Haushaltungen lebte nur 1 Person. In 46 Haushaltungen wurde Vieh gehalten. Aufgezählt sind 32 Pferde, 106 Rindviecher, 43 Schweine, 29 Ziegen und 417 Stück Federvieh.
Es gab 29 Bienenstöcke. Zum Dorf gehörten weiterhin 651 Obstbäume, die Nußbäume nicht gerechnet. Wegen der teils erheblichen Unterschiede der Angaben über das Vieh im Gegensatz zur Zählung von 1897 steht zu vermuten, daß Giesdorf in die Zählung des Jahres 1900 nicht mit einbezogen war.
Zu ergänzen ist noch, daß Immendorf im Jubiläumsjahr 1948 nur 85 Häu­ser umfaßte. 1997 betrug der Bevölkerungsstand 2008 Einwohner in Immendorf. Von diesen 2008 Einwohnern waren 20,9 % unter 18 Jahren, 61,3 % zwischen 18 und 60 Jahren und 17,8 % über 60 Jahre alt. 139 Personen waren Ausländer.

[Quellenangabe]