unser Dorf

Geschichte des Ortes

Wolfgang Gérard

St Servatius

Die Geschichte unseres Ortes ist eng mit der Geschichte unserer Kirche verbunden. So ist auch die erste urkundliche Erwähnung des Ortes - damit beginnt die offizielle Existenz von Immendorf - kirchlicher Natur. Vor genau 1050 Jahren, im Jahre 948, schenkte der Erzbischof Wikfried von Köln die - bereits bestehende - Kirche, d.h. nicht nur Gebäude und Land, sondern hauptsächlich den sogenannten Zehnten (die kirchensteuerlichen Einkünfte) dem Kloster St. Severin. Der Ort bzw. die Kirche bestand also zu diesem Zeitpunkt schon und hatte wohl auch einige Einnahmen, denn die Klosterbrüder sollten vom Broterwerb freigestellt werden, um sich ganz ihrer theologischen Arbeit zu widmen. Über die Entstehung der Kirche wurde bereits an anderer Stelle, "Von Iminethorp bis Immendorf, Geschichte einer alten Kirche", berichtet. Jetzt soll der Versuch unternommen werden, das weltliche Geschehen und die urbane Entwicklung des Ortes nachzuvollziehen. In dieser ersten Urkunde wird unser Dorf noch als Irminethorp bezeichnet. Leider gibt es keine Unterlagen über die Entstehung/den Sinn des Ortsnamens. Da die Kirche ursprünglich dem Hl. Severin geweiht war, dieser starb 410 in Bordeaux, ist zu vermuten, daß zwischen 410 und 948 der Ort oder zumindest die Kirche entstanden ist, also mitten in der Frankenzeit. Zu dieser Vermutung kann auch die Endung "dorf" beitragen, da sie eine typisch fränkische Bezeichnung ist. Der Name wird vieldeutig analysiert. Dr. Lennartz (von 1916 bis 1925 Pfarrer in Immendorf) glaubte, daß der Name von den Immen (Bienen) komme. Er schrieb hierzu: "Der erste Teil des Namens bedeutet hier ebenso wie in anderen ähnlichen lokalen Bezeichnungen das bekannte Insekt. Nach den Erläuterungen in lateinischen, griechischen und deutschen (mittelhoch- und mittelniederdeutschen) Wörterbüchern ist die Stammsilbe bi, im Lateinischen und Griechischen der Lautverschiebung wegen pl, Vorschlagssilbe ein a (m) oder irn. Daher die Formen: im Lateinischen: a-pi-s, im Althochdeutsehen: irn-bi-ne. Aus dem letzten Wort entstand durch Assimilation die Wortform immine, die schon 948 in der vorhin genannten Urkunde in dem Namen Iminethorp sich vorfindet, daraus in späteren Urkunden Immindorf und Immendloff'. Unterstützend wäre zu erwähnen, daß Bienenstöcke bei den fränkischen Bauern eine große Rolle spielten und daher sicher auf ihren Höfen vorhanden waren. Prof. Gilsdorf deutete in den 20er Jahren den Namen unseres Ortes ganz anders. Er meinte, daß das Imm eine alte Bergwurzel enthält, lat. enimelus = Berg, Hügelland, wie wir dies auch in dem Worte Immelkeppel bei Overath finden; somit also Dorf auf Hügelland. Dazu wäre nur zu erwähnen, daß die Kirche auf dem Heidenberg steht und der alte Ortskern sich auf dem Plateau oberhalb des alten Rheinarmes konzentrierte. Rosellen schrieb in seinem Buch über die Geschichte des Dekanates Brühl im letzten Jahrhundert: "Der Name scheint die Lage dieses Kirchdorfes in der Mitte zwischen den anderen Hauptorten des Pfarrsprengels anzudeuten". Dies kann nicht sein, denn Immendorf lag nie in der Mitte des riesigen Pfarrsprengels, es befand sich immer am südlichsten Ende desselben. Mehrere Forscher, die den Ursprüngen des Ortsnamens unserer Region nachgingen, glaubten, daß der Name von einem fränkischen Grafen namens Immo oder Emmo abgeleitet sei. Nicht abwegig. Mit der fränkischen Landnahme ist wahrscheinlich das ganze Gebiet zum Königsgut der fränkischen Herrscher geworden. Die Franken waren Bauern, sie legten befestigte Gutshöfe an - noch heute gibt es den Ausdruck "fränkische Hofanlage" für einen geschlossenen Hof. Sie rodeten große Teile der Wälder, die sich im gesamten Kölner Süden ausdehnten. Dazu setzten die RipuarierKönige vermutlich Rodetrupps ein. Im Vorgebirge lassen sich einige Ortsnamen auf die vermutlichen Truppführer dieser Rodetrupps zurückführen. Schwadorf beispielsweise, in der ältesten überlieferten Schreibweise Suaventhorp genannt, führt den Namen auf einen gewissen Suabo zurück, Kierdorf auf einen vermutlich römischen Kriegsgefangenen namens Carus, Pingsdorf (Pinnesthorp) war wohl der Rodeplatz eines Pinio, Kurzform des fränkischen Namens Pippin. Aber für Immendorf ist diese Namengebung weniger wahrscheinlich. Weder ein Grab noch eine andere Person, die ihren Namen gegeben haben könnte, ist hier bekannt geworden. Nicht so bei der Namengebung des Ortes Immendorf bei Geilenkirchen. Im Jahre 966 (als unser Ort also bereits bestand), gab es dort einen Grafen Immo, unbekannter Herkunft, in Verbindung mit dem Marien-Stift Aachen. Es gibt auch Personen, die glauben, daß eine Irnina die Urmutter der Immendorfer sein soll. Iminethorp wäre weiblich und deshalb stünde der fränkische weibliche Vorname Irnina Pate bei der Namengebung. Der Name kann aber auch einen ganz anderen Ursprung haben. Schon vor den Römern war das linksrheinische Land von Nomaden keltisch/germanischen Ursprungs (Eburonen) bewohnt. Sie lebten vom Sammeln und Jagen. Erst um 500 vor Christus kamen Germanen (Ubier) über den Rhein, um zu siedeln. Die römischen Besatzer, die etwa zwischen 70 50 vor Christus an den Rhein kamen, unterstützten die siedlungswilligen Germanen. Wenn man sich vorstellt, daß hier überall Sumpf und Wald war und sich mitten in diesem Gebiet ein "Hügel" über einem ehemaligen Rheinarm erhob, so war dies schon ein besonderer Ort. Die Germanen, aber auch ihre Vorgänger die Kelten, neigten dazu, ihre Götter - die nach ihrer Meinung an solch außergewöhnlichen Orten wohnten - dort auch zu verehren. Vielleicht stand dort ein großer Baum oder es gab dort eine Lichtung. Missionare nutzten solche Kultstätten/Opferstätten, um dort eine Kirche/Kapolle oder einen christlichen Bildstock zu errichten. Sie wollten den "Heiden" damit die Ohnmacht ihrer Götter beweisen. Vielleicht lag auf unserem Kirchberg, der in alten Überlieferungen "Heidenberg" genannt wird, eine Kultstätte für Gott Irmin. Sicher ist, nach den Fundamenten im Kirchenboden zu schließen, daß vor einer Kirche ein größerer Bildstock an dieser Stelle gestanden hat und erst später (noch vor 948) eine Kirche um den Bildstock herum gebaut wurde. Dies würde auch erklären, warum ausgerechnet hier an diesem siedlungsmäßig uninteressanten Ort (eine frühere Besiedlung, römische Villen, Grabsteine etc. wurden bisher im Ortskern nicht gefunden) eine der ersten Kirchen im Kölner Süden entstand. Von Irminsdorf bis zu Iminethorp ist es sprachlich nicht weit. Früher gab es fast ausschließlich mündliche Überlieferungen, wer konnte schon lesen und schreiben. Sprachfehler, Dialekt und undeutliche Sprache, die auch unterschiedliche phonetische Aufnahme des Schreibers können alle Forschungen ad absurdum führen. Der Ortsname unterlag nämlich einer häufigen Änderung. Während 948 noch Iminethorp zu lesen war, konnte man 1233 schon Immindorp lesen. 1300/1320 stand im Liber valoris Immelendorp, 1378 gar Ymrnlendorp, um 1400 Y(i)mmendorff und auf der Hogenberg-Karte von 1610 Einendorff. Im Totenbuch des Severinsstiftes stand einmal sogar Inegedorp. Warum nicht auch schon Änderungen vor 948? Also, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eine genaue Klärung wird es vielleicht nie geben. Die Immendorfer sind eigentlich die Schnäggelchen.

schneggelchen

Der Immendorfer Junggesellen-Verein von 1888 zeigte auf seiner Fahne ein Kleeblatt und ein Milchschwein (im Dialekt: "Schneggelchen"). Um 700, zur Zeit Kuniberts, schenkten die Franken der Kölnischen Kirche große Landstriche, so kam Immendorf unter die kirchliche und weltliche Herrschaft der Kölner Erzbischöfe. Deutschland als eine Einheit, als einen Staat, wie wir es heute kennen, gab es nicht. Die Frankenkönige und die späteren Kaiser gaben Land oder gewisse Rechte (Marktrechte, Steuern, Münzrechte, Jagdrechte) an ihre Getreuen zu Lehen. Sie sollten es für den Herrscher verwalten, in Wirklichkeit war es mehr eine Art Geschenk, welches aber auch schon mal wieder zurückgefordert wurde. Dafür mußten die Lehnsnehmer dem Herrscher treu dienen und mit Männern und Waffen antreten, wenn der Herrscher rief. Es lief wohl alles etwas anders, aber zurück zu Immendorf. Hier hatte der Erzbischof das Land in großen Teilen als Lehen erhalten. Die politische Karte der damaligen Zeit war äußerst bunt, Rodenkirchen z.B. war eine linksrheinische Enklave des Herzogtums Bergh. Der Erzbischof hatte die Hohe Gerichtsbarkeit (Blutgericht), vor der die schweren Straftaten abgehandelt wurden, die einfache Gerichtsbarkeit lag bei den Klöstern, die rundum fast überall auch die Lehnsherrn waren. Vieles wurde in den sogenannten Weisthümern festgehalten, so daß viele Landverpachtungen und Streitigkeiten überliefert sind, aus denen wir heute z.B. über die Pächter Rückschlüsse ziehen können. So entstand hauptsächlich das Kapitel über die Höfe. So wie der Erzbischof das Land und die Rechte erhalten hatte, gab er Land, Höfe und Rechte an Kirchen, Klöster und Siedlungen weiter. So hatte die Kirche in Immendorf den Zehnten zu erhalten, den Wikfried an das Kloster St. Severin weiter verschenkte.
Das Land in unserer Gegend erhielten fast ausschließlich die Klöster St. Cäcilia und St. Andreas durch die Kölner Erzbischöfe als Geschenk, die es dann als Lehen weitergaben, um von den Einnahmen den Klosterbetrieb bezahlen zu können. Bei diesem System blieb es bis zur sogenannten Säkularisierung durch die Franzosen unter Napoleon. Alles Kirchengut wurde enteignet und versteigert, den weltlichen Pächtern übertragen oder napoleonischen Heerführern geschenkt. Besitz ging aber auch an die Ehrenlegion, die davon den Mitgliedern den sogenannten Ehrensold zahlte. 1285 wurde Brühl das Stadtrecht durch Erzbischof Sigfrid von Westerburg verliehen. Um die neue Stadt auch mit einem Stadtgebiet zu versehen, wurde ihr der sogenannte "Beifang" zugesprochen. Hierzu gehörte auch Immendorf. Künftig ging die kommunale Ausrichtung nach Brühl. In den Brühler Ratsund Gerichtsprotokollen sind viele Dinge Immendorf betreffend festgehalten. Grundstückskäufe, -tausch, Streitigkeiten etc., besonders nachdem die Hofgerichte abgeschafft wurden und die Franzosen das Rheinland besetzt hatten, denn als 1794 die Franzosen das Rheinland besetzten, brach das alte Herrschafts- und Rechtssystem zusammen. Das in verschiedene Herrschaftsbereiche (Kurköln, Herzogtümer Jülich und Berg) sowie einer Anzahl kleiner und kleinster Herrschaften) zersplitterte linke Rheinufer wurde in Departements (etwa mehreren Regierungsbezirken entsprechend, so wie ein Bundesland) aufgeteilt, diese wiederum in Arrondissements (wie heute ein Regierungsbezirk mit mehreren Landkreisen) und Cantone (etwa wie ein Landkreis). Immendorf gehörte plötzlich nicht mehr zum Kurfürstentum Köln und verwaltungsmäßig auch nicht mehr zur Stadt Brühl, sondern war dem Roer-Departement, im Arrondissement Köln gelegen sowie dem Canton Brühl und der Mairie (Bürgermeisteramt/Gemeinde) Rondorf zugehörig. In der Zeit bis zur "preußischen Befreiung" hatte die Bevölkerung stark zu leiden, denn neben Einquartierungen von Beamten und Militär wurde rücksichtslos requiriert. Die Bauern mußten kostenlose Fuhren durchführen und Pferde wurden Mangelware. Napoleons Kriege schluckten Unmengen Geld, Lebensmittel und anderes kriegswichtiges Material. In den Ratsprotokollen finden sich immer wieder Eintragungen, daß Immendorf seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei, einmal waren es Rückstände bei der Grundsteuer, dann die Nichtgestellung von Schanzarbeitern nach Düsseldorf, beim nächsten Mal, sei Immendorf durch Bestechung von der Fleischrequisition freigekommen und müsse nun erneut abgeben und so weiter. Auch Klagen der Immendorfer sind vermerkt, so hatten die Chausseurs à pied ihnen auch das Fuhrwerk mitgenommen oder die Klage des Bitzerhofhalfen (siehe hierzu die Supplik im Kapitel über die Höfe). So ging es weiter bis zum Abmarsch der Besatzer. Die französischen Beamten flohen am 14. Januar 1814 aus Brühl. Danach begann die preußische "Besatzungszeit". Durch den Wiener Kongreß 1815 fielen nach dem Sieg der Alliierten über Napoleon die Rheinlande und Westfalen an Preußen. Es war nicht daran gedacht, die alten Herrschaftsverhältnisse und -grenzen wieder herzustellen. Am 20. April 1816 wurde der Landkreis Köln aufgrund einer königlich preußischen Verordnung vom 20. April 1815 gegründet. In Köln ging damals der Spruch um: "Do hierode mer in en ärm Famillich." Die Preußen hatten selbst im Krieg stark gelitten und waren auch vorher nie reich. Wegen ihrer Strenge und Disziplin waren die preußischen Militaristen im Rheinland nicht sehr beliebt. Der Landkreis Köln wurde dem Regierungsbezirk Köln in der Provinz Cleve-Berg zugeordnet. Durch die Zusammenlegung der Provinzen Cleve-Berg und Niederrhein im Jahre 1824 entstand die Rheinprovinz. Teile dieser Rheinprovinz bildeten dann 1946 das Land Nordrhein-Westfalen. Die Bürgermeisterei Rondorf blieb als Gemeinde erhalten, wenn auch das Rathaus nie in Rondorf lag, bis sie sich 1961 in Gemeinde Rodenkirchen umbenannte. 1975 wurde im Rahmen einer kommunalen Neuordnung u.a. Rodenkirchen nach Köln eingemeindet. Immendorf wurde dadurch Ortsteil der (damals "Möchtegern-") Millionenstadt Köln.
[Quellenangabe]