unser Dorf

Die Freiherr-vom-Stein-Schule seit 1990

Wolfgang Beginn

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Mein Vorgänger, Schulleiter Hans-Rainer Schäfer, hatte kaum die ersten verdienten Pensionsmonate erlebt, da brannte der eingeschossige Teil der Schule in der Vollmondnacht zum 03. Dezember 1990 infolge eines Brandanschlags ab! Aber von wegen "hurra, die Schule brennt". Fassungslosigkeit, Entsetzen und Weinen prägten die Gesichter der Kinder, Lehrer und Eltern, schließlich waren ja beispielsweise auch die Lieblingsspielzeuge und Kuscheltiere der gerade eingeschulten Kinder mit verbrannt. Was nun? Wie sollte es weitergehen? Brauchte Immendorf überhaupt eine eigene Schule? Oder reichte es nicht, die Kinder - wie schon mal vor dem Bau der jetzt abgebrannten Schule - einfach in Godorf oder auch in Rondorf bzw. Meschenich zu unterrichten? Aber diese Frage wurde nicht lange gestellt. Denn es erwuchs eine beispiellose solidarische Aktion aus Schulpflegschaft, Lehrern und Förderverein, aus Pfarre und Einwohnerschaft des Ortes, die auch die politisch Verantwortlichen in Bezirk und Stadt so überzeugte, daß diese sich über alle Parteigrenzen hinweg (!) dafür einsetzten, in Immendorf selbst wieder eine Schule zu schaffen. Auch wenn es immer ungerecht ist, einzelne Personen hervorzuheben - schließlich waren ja insgesamt wahre Hundertschaften daran beteiligt - muß ich einige nennen, weil sie einfach Unglaubliches bewerkstelligt haben: Herr Stiel und Frau Ley als Stadträte, Herr Schröder vom Förderverein der Schule, Herr Giersberg von der Bezirksverwaltung in Rodenkirchen, Herr Franzen als städtischer Architekt mit seinem Team und - last, but not least - Herr Rust vom Generalunternehmen Hochtief als Gesamtbauleiter! Sie und die vielen anderen schafften, was niemand für möglich gehalten hatte: 10 Monate nach dem Abriß des abgebrannten Teils der alten Schule zogen wir im Oktober 1992 in die neue Schule ein! Das war wohl Kölner Rekord! Und trotz der rasanten Bauzeit ist die Freiherr-vom-Stein-Schule eine der schönsten Schulen Kölns geworden. Inzwischen ist sie leider zu klein, so daß wir Container brauchen, denn heute kommen ca. 165 Kinder - meistens gern - hierhin, und die Klassenräume reichen dafür nicht mehr aus. Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler von elf hervorragenden Lehrerinnen - übrigens selbst alles Mütter und daher mit viel Verständnis für Kinder! -, die sich voll und ganz für diese Schule engagieren und traditionelle wie auch moderne Formen der Didaktik und Methodik praktizieren. Denn unser in mehreren Jahren entwickeltes Schulkonzept beinhaltet z.B. auch das Lernen nach Wochenplan, den die Kinder individuell bearbeiten können und wobei die Lehrerin Zeit hat, einzelnen besser zu helfen: es umfaßt zwei Anforderungsprofile auch in Klassenarbeiten sowie das Lernen der Rechtschreibung vor allem mit dem Fünf-Fächer-Lern-Karteikasten oder auch das Freie Schreiben mit sogenannten Schreibkonferenzen der Kinder bis hin zum eigenen Tippen der überarbeiteten Texte im SchülerComputer. Insgesamt versuchen wir, unsere Schülerinnen und Schüler das Lernen zu lehren, ihre kooperativen Fähigkeiten zu stärken und jeden da abzuholen, wo er steht. Damit das gelingt, brauchen sie mehr oder andere Arbeitsmittel, als das früher der Fall war. Da aber die Landes- und städtischen Etats auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit ständig schrumpfen und Bildung nicht die Priorität und die Lobby hat, die sie braucht (schließlich sind die Kinder unsere Zukunft!), konnten diese Unterrichtsmateriallen nur von einem aktiven Förderverein angeschafft werden. Herr Schröder gründete vor 13 Jahren zusammen mit Eltern und Lehrern den Förderverein der Freiherr-vomStein-Schule und leitete ihn bis zum Januar 1998; sein Werk trug und trägt für die Schule reiche Früchte! Fortgeführt wird der für die Schule unverzichtbare Verein nun dankenswerterweise von Herrn Junge und einem Team der Schulpflegschaft. Solchen Menschen, die sich völlig ohne Bezahlung für die Kinder einsetzen und hunderte von Stunden ihrer Freizeit opfern, gebührt ein öffentliches Lob und alle Anerkennung! Nicht nur unsere Kinder lernen im Unterricht und unsere Lehrerinnen lernen in vielen Fortbildungen: Unsere Schule ist auch Ausbildungsschule der Universität zu Köln. So absolvieren Studierende der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät ihre Praktika bei uns, und jeden Mittwoch im Semester finden die Fachpraktischen Studien im Fach Deutsch in unserer Vorbereitungsklasse statt. Die zz. 17 Schülerinnen und Schüler dieser Klasse - sie kommen aus sieben Nationen und sind zwischen sieben und zwölf Jahren alt - werden vom Schulamt zugewiesen, weil sie erst im Laufe der normalen Grundschulzeit nach Deutschland zugezogen sind und z.T. noch alphabetisiert werden müssen. Nach in der Regel 1-2 Jahren gehen sie in die Regelklassen bei uns oder an weiterführenden Schulen über. Dass eine solche heterogene Klasse für angehende Pädagogen ein reichhaltiges didaktisches und methodisches Betätigungsfeld bietet, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Wir hatten noch nie so viele Studierende wie jetzt (17!). Schon einige Examensarbeiten sind daher über den Unterricht hier geschrieben worden, aber auch über andere Aspekte unseres Schulkonzepts gibt es Veröffentlichungen, z.B. enthält der gerade von Prof. Bennack herausgegebene Band Jaschenbuch Grundschule" mehrere Aufsätze über unsere Schule (z.B. Unterricht in Klasse 4, Schreibkonferenzen). Dem Professor verdankt die Schulgemeinde übrigens zwei hörenswerte Vorträge im Pfarrsaal mit den Themen "Erziehung heute" (1997) und "Hilfen zum Lernen" (1998), und er war es auch, der die wissenschaftliche Beratung des Kollegiums bei der Entwicklung des Schulkonzeptes übernommen hatte. Auch unsere Schule ist - wie alle anderen - auf die Mithilfe und gute Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen. Unseren Eltern, besonders in der Klassen- und Schulpflegschaft, muß man hier einmal "sozusagen öffentlich" ein großes Lob zollen: Bei jedem Wetter geleiten sie als Schülerlotsen die Kinder über die gefährliche Godorfer Straße oder sind in den Pausen als Sportfeldbetreuer tätig: Sie betreuen die Schülerbücherei und leiten die beliebten Spiel-, Sport- und Bastel-AGs; sie helfen bei allen schulischen Veranstaltungen, sie stellen den schönen Martinszug auf die Beine; kurz: sie engagieren sich bei allen Problemen, bei denen sie überhaupt helfen können. Solches Engagement für ihre Kinder wünschen wir allen Eltern. Es wäre schön, wenn sie sich Zeit nehmen für das Liebste, was sie auf Erden haben, wenn sie sich für ihre Kinder interessieren, ihnen jeden Tag z.B. vorlesen und gemeinsam mit ihnen spielen oder etwas Schönes zusammen unternehmen, statt das Fernsehen unkritisch als Babysitter einzusetzen. Denn wir wissen aus Kinder- und Jugendumfragen: Kinder wünschen sich das - offen oder insgeheim - ganz stark, und für sie zählt ein solcher Tag mit gemeinsamem fröhlichen Tun mehr als ein ganzer Urlaub voller künstlicher Aktivitäten! Mit diesem Engagement auf Eltern- wie auf Lehrerseite muß einem vor der (schulischen) Zukunft der Kinder nicht bange sein, verfolgen wir doch gemeinsam ein Ziel, nämlich unsere Kinder stark zu machen!

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